Das Eigenleben der Akelei
- Marion Reisert

- vor 18 Stunden
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Die Akeleien in unserem Garten in Burghaig führen ein Eigenleben, und zwar mit einer Selbstverständlichkeit, als hätten sie den Grundbucheintrag persönlich unterschrieben. Niemand hat sie offiziell eingeladen, aber plötzlich stehen sie da: Mit ihren eleganten Blüten sehen sie aus wie kleine Hofdamen aus einem botanischen Barockfilm, die sich zufällig zwischen Salat und Lavendel verirrt haben.
Besonders bemerkenswert ist ihre Haltung. Andere Blumen wachsen einfach. Akeleien dagegen posieren. Jede Blüte hängt leicht schräg, als würde sie sagen: „Ach, bitte nicht von unten fotografieren.“ Und dann diese Farben! Mal zart violett, mal tiefblau, mal mädchenhaft in Rosa-Weiß – als hätten sie nachts heimlich die Garderobe gewechselt.
Das Faszinierende an Akeleien ist außerdem ihre völlige Missachtung gärtnerischer Planung. Man setzt sie an einen Ort – und im nächsten Jahr wachsen sie drei Meter weiter links, mitten in den Johannisbeeren oder direkt neben der Regentonne. Offenbar betrachten sie Gartenpläne eher als unverbindliche Vorschläge. Wahrscheinlich treffen sie sich nachts zu kleinen Strategiesitzungen: „Du gehst nächstes Jahr ins Kräuterbeet, ich übernehme die Ecke am Kompost.“
Dabei wirken sie immer freundlich und harmlos. Aber ich bin sicher, dass Akeleien insgeheim sehr genau wissen, was sie tun. Während Tulpen geschniegelt verblüht herumstehen, machen Akeleien immer noch einen auf elegante Gartenaristokratie. Und wehe, man versucht sie zu kontrollieren. Da lachen sie wahrscheinlich leise in ihre Blütenkelche hinein. Akeleien sind die anarchistischen Elfen unter den Gartenpflanzen: wunderschön, charmant und völlig unbeeindruckt von menschlicher Autorität.
Kurz gesagt: Mein Garten gehört offiziell mir. Inoffiziell regieren dort die Akeleien. Und ehrlich gesagt – ich gönne es ihnen.
Eure Marion





























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