Oben schläft alles – unten wird noch gearbeitet!

Warum der Oktober eine richtig gute Pflanzzeit ist.
Im Oktober sieht unser Garten ja nicht gerade nach Hochbetrieb aus. Die Stauden hängen ein bisschen müde herum, die meisten Bäume haben ihre Blätter längst abgeworfen und auch wir Gartenbesitzer verspüren plötzlich eine erstaunliche Neigung, Gartenschere und Spaten gegen Kaffeetasse und warmes Wohnzimmer einzutauschen. Man könnte meinen: Feierabend im Garten.
Aber weit gefehlt!
Während oberirdisch langsam Ruhe einkehrt, wird unter unseren Füßen noch tüchtig gearbeitet. Und genau deshalb ist der Oktober für viele Pflanzen eine richtig gute Zeit, um noch einmal den Spaten aus dem Schuppen zu holen.
Ja, tatsächlich: Jetzt wird gepflanzt!
Warum ausgerechnet im Oktober?
Im Herbst ist der Boden oft noch erstaunlich warm. Gleichzeitig sind die Tage kühler und feuchter geworden und die Pflanzen müssen ihre Kraft nicht mehr in neue Blätter, Blüten oder Triebe stecken.
Das bedeutet: Sie können sich in aller Ruhe um das kümmern, was man von oben gar nicht sieht – ihre Wurzeln.
Und die haben jetzt einiges vor.
Solange der Boden nicht gefroren ist, können viele Gehölze, Stauden und andere winterharte Pflanzen noch neue Feinwurzeln bilden. Bis zum Frühjahr haben sie dadurch schon einen kleinen Vorsprung.
Während wir im März noch überlegen, wo wir eigentlich unsere Gartenhandschuhe hingelegt haben, ist die Pflanze im Idealfall längst startklar.
Besonders praktisch: Gehölze und wurzelnackte Pflanzen.
Gerade Laubgehölze, Beerensträucher, Rosen und viele Obstgehölze lassen sich im Herbst hervorragend pflanzen. Besonders interessant sind sogenannte wurzelnackte Pflanzen. Die kommen – der Name verrät es schon – ohne Topf und ohne großen Erdballen daher. Für jemanden, der zum ersten Mal eine wurzelnackte Pflanze sieht, wirkt das möglicherweise ein wenig besorgniserregend. Da hält man plötzlich einen Strauch in der Hand, unten hängen ein paar nackte Wurzeln heraus, und man fragt sich unwillkürlich:
„Soll das wirklich noch was werden?“
Ja, soll es.
Wichtig ist nur, dass die Wurzeln nicht austrocknen, beschädigte Stellen entfernt werden und die Pflanze möglichst bald in die Erde kommt. Dann ordentlich angießen – auch wenn es draußen kühl ist.
Denn „Herbst“ bedeutet nicht automatisch „Wasser gibt es genug“.
Pflanzen ist kein Tiefbauprojekt.
Beim Pflanzloch gilt übrigens nicht: Je tiefer, desto besser.
Die Pflanze sollte ungefähr so tief stehen, wie sie vorher in der Baumschule oder im Topf gestanden hat. Ein ausreichend breites Pflanzloch hilft den Wurzeln, sich leichter auszubreiten. Anschließend Erde auffüllen, vorsichtig antreten und kräftig gießen. Und dann?
Dann darf die Pflanze erst einmal machen. Das ist überhaupt eine der angenehmsten Gartenarbeiten: Man buddelt ein Loch, setzt etwas hinein und darf anschließend behaupten, man habe langfristig etwas für die Gartengestaltung getan.
Aber bitte nicht bei Frost!
Ganz grenzenlos ist die Begeisterung fürs Oktoberpflanzen natürlich nicht. Wenn der Boden gefroren, völlig durchnässt oder matschig ist, bleibt der Spaten besser stehen. Auch empfindliche Pflanzen, die mit winterlicher Nässe oder Frost Probleme haben, pflanzt man häufig lieber im Frühjahr. Aber für viele robuste Gartenpflanzen gilt: Solange der Boden offen ist, kann der November noch Pflanzzeit sein.
Und jetzt kommt der schönste Teil.
Wer im Oktober oder November pflanzt, tut etwas, dessen Erfolg man nicht sofort sieht. Im Moment steht da vielleicht nur ein kleiner Strauch, ein unscheinbares Gehölz oder eine Staude, die aussieht, als hätte sie ihre besten Tage bereits hinter sich. Aber im Frühjahr passiert plötzlich etwas. Die Knospen wachsen an, erste Blätter erscheinen und irgendwann denkt man: „Ach schau – die lebt ja wirklich!“
Und genau das macht Gartenarbeit doch so schön. Man pflanzt heute etwas, obwohl der Garten schon langsam in den Winterschlaf geht – und freut sich Monate später darüber.
Also: Bevor Ihr den Spaten endgültig einmottet, schaut Euch ruhig noch einmal im Garten um. Vielleicht fehlt an der einen oder anderen Stelle doch noch ein Strauch, eine Rose, ein Beerenobst oder ein kleines Gehölz. Denn auch wenn oben schon fast alles schläft: Unter der Erde ist noch lange nicht Feierabend.
Und wenn es draußen anschließend kalt und ungemütlich wird, dürfen wir uns auch ganz beruhigt wieder unserer Kaffeetasse widmen - oder dem Glühwein.
Schließlich haben wir gearbeitet. Zumindest ein bisschen.
Eure Marion






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