Vom Problem-Eck zum verwunschenen Gärtchen
- Marion Reisert

- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit

Dieser Bereich vor den zwei alten Holzkompostern war lange Zeit das Sorgenkind unseres Gartens. Während andere Beete sich in der Sonne räkelten, herrschte hier eher das Klima einer kleinen Waldschlucht: kühl, feucht und bei Schnecken so beliebt wie ein All-inclusive-Buffet. Kaum setzte man eine neue Pflanze ein, rückte nachts die gefräßige Schleimtruppe an und veranstaltete ein Festmahl mit anschließendem Blattmassaker. Habe dazu schon mal einen Bericht gemacht >> Schneckenalarm
Doch irgendwann schafften wir mit Geduld die Verwandlung dieses dunklen Eckchens. Es zog eine Gesellschaft echter Schattenkünstler ein. Astilben mit ihren federleichten Blütenwedeln brachten plötzlich Eleganz in die Dämmerung. Ihre Blüten wirken fast wie Zuckerwattewolken, die über dem Beet schweben. Dazu kamen Sterndolden, die aussehen, als hätten Elfen kleine Sternexplosionen zwischen die Blätter gestreut. Ihre filigranen Blüten leuchten selbst an trüben Tagen und geben dem Garten etwas Geheimnisvolles. Die Funkien breiten ihre großen Blätter aus wie grüne Sessel für Waldfeen, während Farne mit ihren eingerollten Trieben wirken, als würden sie sich jeden Morgen neu aus einem Märchenbuch entfalten. Zwischen all dem dunklen Grün leuchten helle Blattzeichnungen und zarte Blüten besonders intensiv. Gerade im Schatten entsteht eine Ruhe, die sonnige Beete oft gar nicht haben. Hier drängt sich nichts auf. Alles wirkt ein wenig geheimnisvoll, fast wie ein verwunschener Gartenpfad, auf dem gleich ein Igel mit Laterne oder eine hauchzarte Gartenfee auftauchen könnten... wobei unsere Igel bisher noch nie mit Laternen auftauchten - und die Gartenfee im Beet ist aus Cortenstahl.
Und dann ist da noch der Fingerhut (das Gift der Ehefrauen... nicht, dass man es bräuchte...) – der große Auftritt in diesem Schattengarten. Mit seinen hohen Blütenständen ragt er zwischen Funkien, Farnen und Sterndolden hervor, als hätte er beschlossen, hier die Hauptrolle zu übernehmen. Seine rosafarbenen Blüten sehen wunderschön aus und ziehen Hummeln magisch an, die sich etwas tollpatschig von Glocke zu Glocke arbeiten. Gerade weil der Fingerhut so hoch wächst, bringt er Leben und Struktur in unser Schattenbeet. Zwischen all dem satten Grün wirkt er fast ein bisschen wie der exzentrische Nachbar, der immer overdressed zum Gartenfest erscheint – aber genau deshalb möchten wir ihn nicht missen. Für Haushalte mit kleinen Kindern ist der Fingerhut aber auf keinen Fall zu empfehlen, weil er wirklich sehr giftig ist.
Über allem schwebt außerdem unser uralter Bauernjasmin, der seine weißen Blüten wie kleine Wolken über den Garten hängt. Wenn er im Frühsommer blüht, wirkt es fast so, als hätte jemand Sternenstaub in die Zweige gestreut. Sein Duft zieht sanft durch den Garten und macht aus dem schattigen Eck plötzlich einen Ort, an dem man am liebsten stehen bleiben möchte. Gerade über den dunkleren Blättern der Schattenpflanzen leuchten seine Blüten besonders schön und bringen Helligkeit in die verwunschene Gartenszene.
Auch praktisch hat dieses Beet inzwischen seine ganz eigenen Stärken. Schattenpflanzen kommen mit wenig Sonne aus, behalten lange frisches Laub und wirken oft monatelang attraktiv. Viele von ihnen mögen den humusreichen Boden in der Nähe der Kompostbehälter und entwickeln dort besonders kräftige Blätter. Zudem bleibt der Boden im Schatten länger feucht, sodass weniger gegossen werden muss. Und obwohl die Schnecken immer noch gelegentlich auf Streifzug gehen, haben die robusten Pflanzen gelernt, damit erstaunlich gelassen umzugehen. Zumindest gelassener als ich, wenn ich mal wieder entdecke, daß meine Funkien durchlöchert sind.
Heute wirkt dieses einst problematische Eck nicht mehr wie die ungeliebte Gartenecke, sondern wie ein kleiner geheimer Waldgarten.
Wie sieht es bei Euch aus? Habt ihr auch eine Lösung für einen problematischen Bereich Eures Gartens gefunden, den ihr hier mitteilen wollt?
Schreibt mir doch Eure Erfahrungen ( reisert@lithografika.de).
Eure Marion























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