Holunder – Der Gartennachbar mit Superkräften
- Marion Reisert

- vor 18 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

In vielen oberfränkischen Gärten gehört der Holunder einfach dazu. Oft steht er schon seit Generationen am Gartenzaun oder hinter der Scheune und wird fast wie ein altes Familienmitglied behandelt. Auch bei uns durfte ein Holunder nie fehlen. Schon meine Oma hat jedes Jahr ihr berühmtes Hollerwasser gemacht. Kaum lag der süße Duft der Blüten in der Luft, wusste jeder: Der Sommer ist nicht mehr weit!
Woher kommt der Holunder?
Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) ist ein echtes Kind Europas und wächst hier schon seit vielen Jahrhunderten. Früher glaubten die Menschen sogar, dass gute Hausgeister im Holunder wohnen. Deshalb pflanzte man ihn gerne in die Nähe des Hauses. Ob die Geister tatsächlich dort eingezogen sind, weiß niemand. Sicher ist aber: Der Holunder war schon damals ein geschätzter Mitbewohner – und deutlich pflegeleichter als mancher Nachbar.
Der perfekte Standort
Zum Glück hat der Holunder keine besonderen Starallüren. Er fühlt sich an einem sonnigen bis halbschattigen Platz am wohlsten und liebt nährstoffreiche, leicht feuchte Böden. Wenn es ihm gefällt, wächst er mit beeindruckendem Eifer in die Höhe. Man könnte fast meinen, er hätte heimlich einen Turbogang eingebaut. Wer ihn nicht gelegentlich schneidet, hat bald eher einen kleinen Wald als einen Strauch.
Die Blüten – Der Duft des Sommers
Im Mai und Juni trägt der Holunder seine großen, cremeweißen Blütendolden. Ihr süßer Duft lockt Bienen, Hummeln und viele andere Insekten an – eine Gartenparty, zu der jeder eingeladen ist.
Auch wir Menschen kommen nicht zu kurz. Aus den Blüten entstehen herrliche Leckereien wie:
Hollerwasser oder Holunderblütensirup
spritzige Limonade
Tee
ausgebackene Hollerküchle
Sekt oder Bowle
Ein kleiner Tipp: Nicht alle Blüten pflücken. Die Bienen wären darüber ungefähr so begeistert wie wir über einen leeren Kuchenteller.
Die Früchte – Klein, dunkel und voller Überraschungen
Ab August hängen die schwarzen Holunderbeeren in dichten Trauben am Strauch. Roh sind sie allerdings keine gute Idee – unser Magen bedankt sich dafür eher mit Protest als mit Applaus. Erst gekocht oder erhitzt entfalten sie ihr volles Talent.
Dann werden daraus:
Holundersaft
Marmelade
Gelee
Sirup
Kompott
oder ein feiner Likör für gemütliche Abende.
Ganz nebenbei stecken die Beeren voller Vitamine und Antioxidantien und sind seit Generationen ein bewährtes Hausmittel in der Erkältungszeit. Nicht umsonst heißt es bei uns in Franken manchmal: „Der Holler hilft immer a bisserla.“
Fazit
Der Holunder ist viel mehr als nur ein Strauch. Er ist ein Stück oberfränkische Gartentradition, weckt Erinnerungen an Omas Hollerwasser und an sonnige Nachmittage im Garten. Er sieht gut aus, versorgt Bienen mit Nahrung und schenkt uns köstliche Blüten und Beeren. Kurz gesagt: Der Holunder arbeitet fleißig, beschwert sich nie und verlangt nur einen guten Platz und hin und wieder einen kleinen Haarschnitt. Wenn alle Gartenbewohner so unkompliziert wären, hätten wir Gärtner deutlich mehr Zeit für Kaffee, Kuchen – und ein Glas Hollerwasser.

Omas Hollerwasser (Holunderblütensirup)
Zutaten:
20–25 frische Holunderblütendolden
2 Liter Wasser
2 unbehandelte Zitronen, in Scheiben geschnitten
2 kg Zucker
50 g Zitronensäure
Zubereitung:
Die Holunderblüten nur vorsichtig ausschütteln, damit die kleinen Blütenpollen erhalten bleiben – sie sorgen für das feine Aroma. Die Dolden zusammen mit den Zitronenscheiben in eine große Schüssel legen und mit dem Wasser übergießen. Alles 24 bis 48 Stunden ziehen lassen.
Anschließend die Flüssigkeit durch ein feines Sieb oder Tuch abseihen. Zucker und Zitronensäure einrühren und unter ständigem Rühren erhitzen, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat. Den Sirup nicht stark kochen lassen. Danach heiß in saubere Flaschen füllen und gut verschließen.
Unser Tipp: Mit kaltem Mineralwasser aufgegossen ist Hollerwasser an heißen Sommertagen kaum zu übertreffen. Ein paar Eiswürfel und ein Minzblatt dazu – fertig ist der Sommer im Glas!
Holundergelee
Zutaten:
1 Liter Holundersaft
500 ml Apfelsaft
1 kg Gelierzucker 2:1
2 EL Zitronensaft
Zubereitung:
Holunder- und Apfelsaft mit dem Zitronensaft in einen großen Topf geben. Den Gelierzucker einrühren und alles unter ständigem Rühren zum Kochen bringen. Etwa 4 Minuten sprudelnd kochen lassen und anschließend die Gelierprobe machen.
Das fertige Gelee sofort in heiß ausgespülte Gläser füllen, verschließen und für etwa fünf Minuten auf den Deckel stellen. Danach wieder umdrehen und auskühlen lassen.
Schmeckt besonders gut auf frischem Bauernbrot, auf einem Laabla mit dick Butter, einem warmen Croissant oder als fruchtige Beilage zu Wildgerichten oder zum Sauerbraten.
Und noch ein kleiner oberfränkischer Gartentipp:
Früher hieß es oft: „Vor dem Holunder soll man den Hut ziehen.“ Nicht nur aus Respekt vor den guten Hausgeistern, sondern auch, weil der „Holler“ den Menschen über Generationen hinweg Blüten, Früchte und so manches Hausmittel geschenkt hat. Vielleicht schmeckt Omas Hollerwasser deshalb bis heute ein kleines bisschen nach Kindheit.
Habt ihr auch einen Holler in Eurem Garten? Wie nutzt ihr seine Kräft?
Schreibt mir unter reisert@lithografika.de!
Eure Marion





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