Der Herbst naht... Bloß nicht alles aufräumen!
- Marion Reisert

- vor 19 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

Der Garten darf im Herbst ein bisschen schlampig sein.
Kennt Ihr das auch? Kaum fallen im Herbst die ersten Blätter, erwacht in uns Gartenbesitzern plötzlich der Ordnungsdrang. Der Rasen soll aussehen wie frisch gesaugt, die Stauden werden ratzfatz abgeschnitten, jedes dürre Ästchen verschwindet und spätestens Ende Oktober steht der Garten da wie das Wohnzimmer vor dem Besuch der Schwiegermutter: aufgeräumt bis in die letzte Ecke.
Aber genau da kommt jetzt die gute Nachricht für alle, die bei Laubrechen, Gartenschere und Schubkarre nicht sofort vor Begeisterung in die Gummistiefel springen:
Ihr dürft faul sein!
Zumindest ein bisschen.
Denn was für uns nach „unordentlich“ aussieht, ist für viele Gartenbewohner ein richtig gemütliches Winterquartier.
Der Laubhaufen – Fünf-Sterne-Hotel für Igel & Co.
Herbstlaub muss nicht komplett verschwinden. Natürlich sollte man eine dicke Laubschicht vom Rasen entfernen, wenn man auch im nächsten Jahr noch Rasen und keine geheimnisvolle braune Fläche besitzen möchte. Aber unter Hecken, zwischen Sträuchern oder in einer ruhigen Gartenecke darf das Laub ruhig liegen bleiben.
Bei uns gibt es deshalb hinter dem Schattengärtchen ganz bewusst eine solche wilde Ecke. Und die hat mittlerweile auch zwei ziemlich regelmäßige Stammgäste: Iggy Pop und Bowie.
Unsere beiden Igel besuchen uns – wie schon in den vergangenen Jahren – wieder fast jeden Abend und futtern tüchtig. Sobald es draußen dämmrig wird, kann es also durchaus sein, dass es irgendwo im Garten raschelt und einer der beiden Herren auf dem Weg zum Abendessen ist.
Schon allein wegen dieser beiden Gesellen lassen wir hinter dem Schattengärtchen Laub, Zweige und natürliche Verstecke ganz bewusst liegen.
Man könnte sagen: ein kleines Igelhotel mit eigener Gartenterrasse.
Ob Iggy Pop und Bowie unsere Bemühungen tatsächlich zu würdigen wissen, ist nicht überliefert. Dass sie regelmäßig wiederkommen, werten wir aber einfach einmal als fünf Sterne bei der Igel-Bewertung.
Die Stauden? Bitte stehen lassen!
Auch bei verblühten Stauden juckt es vielen von uns im Herbst gewaltig in den Fingern.
Braune Stängel? Weg damit!
Vertrocknete Blütenstände? Abschneiden!
Dabei können gerade diese alten Stängel für Insekten interessant sein. Außerdem sehen viele Stauden im Winter überraschend schön aus. Wenn sich morgens Raureif auf Sonnenhut, Fetthenne oder Gräser legt, entstehen kleine Kunstwerke, die kein Florist besser hinbekommen würde.
Und das Beste daran: Man musste nichts dafür tun.
Ich persönlich finde ja, dass man jede Gartenarbeit, die sich mit gutem Gewissen auf das Frühjahr verschieben lässt, ausdrücklich begrüßen sollte.
Totholz ist gar nicht so tot
Auch ein paar abgeschnittene Äste müssen nicht sofort gehäckselt oder entsorgt werden. In einer Gartenecke aufgeschichtet, werden sie zu einem kleinen Lebensraum.
Käfer, Insekten und andere Kleintiere freuen sich über solche Verstecke – und irgendwann wird aus dem vermeintlichen „Gartenabfall“ wieder wertvoller Humus.
Natürlich müssen wir deshalb nicht den gesamten Garten in einen Urwald verwandeln, in dem man nur noch mit Machete zum Kompost kommt.
Es geht vielmehr darum, ein paar wilde Ecken zuzulassen.
Ein bisschen weniger Ordnung tut gut
Vielleicht sollten wir unseren Garten im Herbst also einmal mit anderen Augen betrachten.
Der Laubhaufen unter der Hecke ist keine Nachlässigkeit.
Die stehen gebliebenen Stauden sind kein Zeichen dafür, dass wir die Gartenschere nicht mehr gefunden haben.
Und der kleine Reisighaufen hinter dem Schuppen bedeutet keineswegs, dass dort jemand seit drei Jahren nicht aufgeräumt hat.
Wir könnten einfach behaupten:
„Das ist ökologisch wertvoll.“
Klingt doch gleich viel besser.
Also vielleicht beim nächsten Herbstputz einfach einmal die Gartenschere wieder weglegen, den Laubrechen an die Wand stellen und eine Tasse Kaffee trinken.
Denn manchmal ist das Beste, was wir für unseren Garten tun können, tatsächlich:
einfach mal nichts.
Und falls der Nachbar über den Zaun schaut und fragt, warum es bei Euch so wild aussieht, sagt Ihr einfach:
„Des muss su saa! Mir gärtnern etzt naturnah. Doo schausta, gell?!“
Habt Ihr auch eine wilde Ecke in Eurem Garten? Vielleicht sogar einen Laubhaufen, in dem schon einmal ein Igel eingezogen ist? Dann schreibt mir gerne von Euren Erfahrungen!
Eure Marion





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